Aktivist*innen auf der COP haben ihre Hände beschrieben. Auf ihnen steht "NO LNG - NO FOSSILS" und "We can't drink oil" - Foto: UNFCCC / Kiara Worth

Mehr fossile Lobby als jemals | COP DAILY – Tag 4

Der vierte Tag auf der COP27 ist zu Ende, heute mit nur wenig wirklichen Ergebnissen, dafür gibt es aber umso mehr über das Geschehen um die COP herum zu berichten.
Infoslide COP Daily Tag 4

Inhalt

    Fangen wir mit ein paar Sidefacts an: In den letzten Tagen gab es einen Rohrbruch im Abwassersystem, wodurch Flüsse aus Fäkalien bildlich die Scheiße symbolisierten, die fossile Energien mit unserem Ökosystem machten. Die Klimalage in Ägypten scheint zudem generell sehr entspannt zu sein, denn heute wurden die Preise für Nahrungsmittel auf dem Konferenzgelände halbiert und Wasser ist jetzt kostenlos.

    Starke Aussagen & Zitate

    "If you want to address malaria, you don't invite the mosquitoes" - Greta Thunberg

    "We're on a carousel of madness here rather than climate action. The fossil fuel industry, their agenda, it's deadly. Their motivation is profit and greed. They're not serious about climate action. They never have been and they never will." - Rachel Rose Jackson

    Highlights

    Slowenien tritt aus "Energy Charter Treaty" aus

    Slowenien hat heute angekündigt, aus dem “Energy Charter Treaty” auszusteigen. Dieses Abkommen kommt aus einer Zeit, in der Politiker*innen noch nicht über erneuerbare Energien nachgedacht haben und ermöglicht u. a., dass Konzerne Staaten auf Schadensersatz verklagen, wenn diese aus fossilen Energien aussteigen. Auch Deutschland ist in diesem Abkommen drin, das ist einer der Gründe, warum der Kohleausstieg bei uns so unglaublich teuer ist. Viele andere Länder wie z. B. Frankreich haben das Abkommen schon verlassen. Je mehr Länder dem nachkommen, desto schwächer wird das Ganze. Es wird höchste Zeit, dass Deutschland es Slowenien gleich tut.

    10 neue Fakten aus der Klimawissenschaft

    1. Fakt: 1,5°C ist kein Ziel, sondern eine physikalische Grenze. Wenn sie darüber hinausgehen, werden wir wahrscheinlich Klimakipppunkte auslösen. Es gibt weitere Beweise dafür, dass eine Klimaanpassung über 1,5°C sehr schwierig wird, bei globaler Temperaturerhöhung über 2°C ist eine Anpassung an das Klima unmöglich.
    2. Fakt: 1,6 Milliarden Menschen leben in Hotspots der Klimakrise, eine Zahl, die sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln wird.
    3. Fakt: Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier nehmen durch die Klimakrise zu und neue Risiken entstehen.
    4. Fakt: Durch die Klimakrise werden Teile der Erde für Menschen unbewohnbar.
    5. Fakt: Menschliche Sicherheit braucht Klimasicherheit. Wir müssen den Klimawandel schnell angehen, um eine sichere Zukunft zu haben.
    6. Fakt: Eine nachhaltige Landnutzung ist für das Erreichen der Klimaziele unerlässlich.
    7. Fakt: Der private Finanzsektor schafft es nicht, Investitionen voranzutreiben, die einen sinnvollen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten.
    8. Fakt: Finanzhilfe für Klimafolgen (Loss & Damage) sind eine dringende planetare Notwendigkeit.
    9. Fakt: Die Umsetzung von Klimapolitik muss stärker auf lokale Bedürfnisse eingehen und robuster werden.
    10. Fakt: Unser Wirtschaftssystem muss sich ändern, um im erforderlichen Tempo klimaneutral zu werden. Es finden aktuell keine ausreichenden Änderungen statt. Es ist absolut notwendig, strukturelle Barrieren sofort abzubauen.

    Wasser-für-Energieabkommen zwischen Israel und Jordanien

    Israel und Jordanien haben heute ein Memorandum of Understanding (MOU) unterzeichnet, um bei einem Wasser-für-Energieabkommen voranzukommen.
    Die Idee, die erstmals vor einem Jahr angekündigt wurde, sieht vor, dass Jordanien 600 Megawatt Solarenergiekapazität baut, die nach Israel exportiert wird. Im Gegenzug würde Israel das wasserarme Jordanien mit 200 Millionen Kubikmetern (mcm) entsalztem Wasser versorgen.
    Das israelische Energieministerium drückt den gemeinsamen Wunsch der Länder aus, die Klimakrise durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu bewältigen.
    Der Nahe Osten ist sehr anfällig für den Klimawandel und dies wird die erste derartige Zusammenarbeit zwischen Israel und Jordanien sein.
    Die Vereinigten Arabischen Emirate, Jordanien und Israel werden sich weiterhin dafür einsetzen, die erforderlichen Umsetzungspläne für das Projekt rechtzeitig für die COP28 zu entwickeln, die im kommenden November in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden soll, heißt es in der Erklärung.

    Lowlights

    Mehr fossile Lobbyist*innen auf der COP als jemals

    Die Menschenrechtsorganisation Global Witness hat erschreckende Zahlen herausgefunden: auf der COP27 sind dieses Jahr über 600 Lobbyist*innen für fossile Energien unterwegs. Das bedeutet, dass etwa doppelt so viele fossile Lobbyistinnen vor Ort sind als Personen aus den Staaten, die am meisten von der Klimakrise betroffen sind. Dieses Jahr sogar etwa 25% mehr als noch das Jahr zuvor. Wären fossile Lobbyist*innen eine eigene Delegation, so wäre es die zweitgrößte. Nur übertroffen von der Delegation der Vereinigten Arabischen Emirate, die dieses Jahr mit Abstand die größte Delegation haben, da sie nächstes Jahr die COP28 veranstalten.
    Wenn die fossilen Kräfte mit mehr Leuten als jede Regierung auf einer Klimakonferenz sind, ist Einflussnahme sicher. Es kann nicht sein, dass die Industrien, welche uns in die Klimakrise gebracht haben, so viel Macht auf den Klimakonferenzen bekommen.
    “If you want to address malaria, you don’t invite the mosquitoes” – Greta Thunberg

    Alaa Abd el-Fattah

    In unserem Artikel zu den (Un-)Gerechtigkeitsfragen der COP27 haben wir schon ein wenig über #FreeAlaa geschrieben, leider hat sich die Lage noch weiter dramatisiert. Der Aktivist Alaa Abdel Fattah, der seit Monaten im Hungerstreik ist, um gegen seine Inhaftierung wegen der angeblichen Verbreitung von falschen Informationen, die grausamen Haftbedingungen und die Verweigerung konsularischen Beistands zu protestieren, wollte seit Sonntag zudem keine Flüssigkeit mehr zu sich nehmen. Heute ist die ägyptische Diktatur dazu übergegangen, Alaa Abdel Fattah zu zwangsernähren. Seine Familie sowie sein Anwalt werden nicht zu ihm gelassen und es ist unklar, wie Alaas Gesundheitszustand ist.

    Fazit

    Am heutigen Young and Future Generations Day der COP waren die Themen breit gestreut. Die Aufmerksamkeit hat im Vergleich zu den letzten Tagen deutlich nachgelassen. Viele Medien haben über die Midterms in den USA berichtet und die morgige Ankunft von Joe Biden auf der COP. Trotzdem gibt es viel, was nachdenklich machen kann, wie die Vorstellung der Klimafakten, dee Energy Charter Treaty oder der viel zu großen Präsenz der Kohle-, Öl- und Gaslobbyisten auf der COP.

    Unser Fazit ist wenig überragendes reicht nicht, das darf so nicht sein, es muss mehr passieren.

    Um diese Arbeit auch in Zukunft noch leisten zu können, sind wir auf deine Hilfe angewiesen.

    Hilf uns gerne mit einer SPENDE!

    Ein ganz großes Dankeschön an die Students for Future der HTW-Berlin, die heute diesen Artikel geschrieben haben.

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    1 Gedanke zu “Mehr fossile Lobby als jemals | COP DAILY – Tag 4

    1. Zu dem Greta-Thunberg-Zitat
      “If you want to address malaria, you don’t invite the mosquitoes”
      ein kurzer Hinweis:
      Die Moskitos haben keinen Vorteil davon, wenn sie Malaria übertragen, geschweige denn, dass sie das mit Wissen und Willen täten, sofern Moskitos denn überhaupt so etwas wie Wissen und Willen haben.
      Deshalb sind die Moskitos viel harmloser als die Konzerne, die die THG ausstoßen, und die Politiker, die das auch noch decken und fördern. Denn die wissen, was sie tun.
      Warum die Politiker und Wirtschaftsbosse so handeln, dazu habe ich etwas Ausführlicheres geschrieben:
      https://heise.de/-6321925

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