#GlobalDayOfAction | COP DAILY – Tag 6

Heute, am sechsten Tag der COP27 stand der inhaltliche Austausch um Landwirtschaft und Anpassung auf der Agenda. Neben Erntesicherheit, Düngemittelknappeit und Abholzung der Regenwälder, wurde wieder das Thema “Loss and Damage” aufgegriffen, unter anderem da der US-Sondergesandte für das Klima, John Kerry, ein umstrittenes Statement abgegeben hat. Der heutige Tag stand auch im Zeichen des zivilgesellschaftlichen Protests, mit einem weltweiten Aktionstag, der bisher größten Demonstration auf der Klimakonferenz und einem kontroversen Rauswurf vierer Aktivist*innen – all das und vieles mehr findet ihr unten im Text.

Inhalt

    Foto: UNFCCC / Kiara Worth

    Starke Aussagen & Zitate

    "It's a well known fact that the United States and many other countries will not establish [...] some sort of legal structure that is tied to compensation or liability. That's just not happening" - John Kerry, Sondergesandter des US-Präsidenten für das Klima

    “We cannot afford any more greenwashing or reckless behaviour from these companies who profit from the destruction of ecosystems and come up with more delays and inadequate plans to halt and reverse the destruction they drive that will continue to fry the planet” - Cristiane Mazzetti, Greenpeace Brazil

    Highlights

    Klimaprotesttag #GlobalDayofAction

    Heute fand der bisher größte Protest auf der UN-Klimakonferenz statt: Mehr als achthundert Menschen haben sich auf dem COP-Gelände versammelt und für mehr Klimagerechtigkeit und die Freilassung inhaftierter Klima- und Menschenrechtsaktivist*innen gestreikt. Organisiert wurde die Demonstration von der “COP27 Coalition”, einem breiten Bündnis aus NGOs, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Klimaaktivist*innen. Aufgrund der strengen Regulierungen zu zivilgesellschaftlichem Protest in Ägypten, durfte die Demonstation nur in bestimmten Bereichen stattfinden, ein großer Protest auf der Straße wurde den Organisator*innen verboten.
    Mit einem intersektionalen Blick auf die Klimakrise stand nicht nur die fehlende Verantwortungsübernahme des Globalen Nordens hinsichtlich “Loss and Damage”, sondern auch die fatale Menschenrechtslage im Gastgeberland Ägypten im Fokus. Mit Demosprüchen wie “no climate justice without human rights” und “free them all” haben die Demonstrant*innen die Freilassung des inhhaftierten Journalisten Alaa Abdel Fattah und anderer politischer Gefangener gefordert.
    Die Prosteste fanden nicht nur in Scharm El-Scheich, sondern unter dem Motto #GlobalDayOfAction auch auf der ganzen Welt statt.

    Ein kleiner Schritt Richtung Ernährungssicherheit?

    Deutschland hat sich heute bereiterklärt, einen Beitrag zur Bekämpfung von Düngemittelknappheit in Ländern des Globalen Südens zu leisten. Aktuell steht die Ernährungssicherheit von bis zu 100 Millionen Menschen in Afrika auf dem Spiel, weil Düngemittelknappheit Ernten gefährdet. Um dagegen anzukämpfen, hat Deutschland 13 Millionen Euro zugesagt, bis zum Ende der COP sollen von Seiten verschiedener Akteure 100 Millionen Euro zusammenkommen.
    Die Nachricht enthält aber auch die traurige Erkenntnis, dass die fossil befeuerte Energiekrise weltweit weitreichende Konsequenzen mit sich zieht: Denn die aktuelle Düngemittelknappheit ist vor allem durch die hohen Erdgaspreise entstanden. Für einen wirksamen Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherheit braucht es aber vor allem wirksamen Klimaschutz, denn die Auswirkungen der Klimakrise gefährden schon heute Ernten im Globalen Süden, Hitzewellen machen Böden unfruchtbar, Überschwemmungen setzten ganze Landstriche unter Wasser wie zuletzt in Pakistan.

    Lowlights

    Ausschluss indigener Aktivist*innen von der Konferenz

    Die gestrige Rede des US-Präsidenten Biden haben vier indigene Aktivist*innen für einige Sekunden mit einer Banneraktion unterbrochen; sehr schnell wurde das “People vs. Fossil Fuels” Banner konfisziert. Jetzt wurde ihre Akkreditierung entzogen und ihnen damit der Zugang zur Konferenz verwährt.
    „Obwohl der Präsident in seiner Rede sagte, dass die indigenen Völker die Lösungen haben, war es Tokenism; uns wird nicht zugehört. […] Wenn wir unsere Stimme erheben, werden wir als Sicherheitsbedrohung angesehen, das ist lächerlich und entlarvt die Heuchelei dieser Verhandlungen“, so Jacob Johns, einer der Protestierenden. Wieder einmal werden die meist Betroffenen der Klimakrise nicht gehört, während sich Lobbyisten und Staatschefs auf Bühnen profilieren.

    USA äußert sich erstmals auf der COP27 zu "Loss and Damage"

    Nachdem US-Präsident Joe Biden wegen seiner gestrigen Rede auf der COP in der Kritik stand, da er kein Wort zu “Loss and Damage” verloren hat, hat sich John Kerry, Sondergesandter des US-Präsidenten für das Klima, heute dazu geäußert. Bei “Loss and Damage” geht es um Entschädigungszahlungen reicher Verursacherstaaten für Schäden, die durch die Klimakrise im globalen Süden entstanden sind. Zu solchen Zahlungen seien die USA zwar bereit, meinte Kerry, jedoch sei es “ein weit bekannter Fakt”, dass die Vereinigten Staaten und viele andere Länder kein rechtlich bindendes Loss and Damage Prinzip einführen werden. Das wird einfach nicht passieren”. Es ist längst überfällig, dass die Staaten des Globalen Nordens als größte CO2-Emittenten Verantwortung für ihr Handeln übernehmen!

    Russische Oligarchen lobbyieren bei der COP

    Die Präsenz russischer Oligarchen auf der COP27 ist hoch; unter ihnen die Milliardäre Oleg Deripaska unter Sanktionen Großbritanniens und Andrey Melnichenko, der ehemalige Besitzer des Düngeunternehmens EuroChem, welcher die EU-Sanktionen ihm gegenüber abstritt und als “absurd und unsinnig” bezeichnete.
    Auch der Gasgigant Gazprom ist durch sechs unter Sanktionen stehende Delegierte vertreten, sowie Öl- und Gasunternehmen wie Lukoil Tatneft und weitere, allesamt aktuell sanktioniert.
    Der extreme Reichtum dieser Oligarchen baut auf der Düngemittel- und Öl- sowie Gasindustrie auf – und Russland macht massiven Profit mit der Abhängigkeit vieler Staaten von den fossilen Ressourcen des Landes. Die hohe Vertretenheit dieser Milliardäre macht es ihnen möglich, weiter Wege zu finden, Profite aus der Klimakrise zu schlagen und Sanktionen zu umgehen.
    Dr. Oleksiy Ryabchyn, Mitglied der ukrainischen Delegation, sagt dazu, es sei “lächerlich, wie die russischen Oligarchen durch die Korridore schleichen.” Dass sie frei reisen und an der Weltklimakonferenz teilnehmen und Einfluss nehmen können, während sie keine Versuche unternehmen, den blutigen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden.

    Abholzung: Make it stop!

    Am Thementag zur Landwirtschaft spielt auch heute die weltweite Abholzung von Wäldern für Ackerland eine Rolle: Und leider keine gute… Die Umnutzung von Land ist weltweit zweitgrößter Treiber der Erderhitzung! Dabei werden intakte Ökosysteme zerstört, um Platz für landwirtschaftliche Flächen zu schaffen, auf denen oft Viehzucht, Soja oder Ölpalmenanbau betrieben wird.
    Das bisher abgebene Versprechen einiger Unternehmen, bis 2020 komplett aus der Abholzung auszusteigen, wurde schon gebrochen. Dass ein verbindliches Enddatum der Abholzung jetzt weiter fehlt, wie es von der Wissenschaft bis 2030 längst gefordert wird, lässt auf nichts Gutes hoffen.
    Die Integrität von Ökosystemen und die Rettung der Regenwälder ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Klimapolitik, denn ohne die grüne Lunge des Planeten können die Klimaziele nicht erreicht werden.

    Fazit

    Eine große Delegation russischer Oligarchen, widersprüchliche Aussagen der US-Vertretung, aus denen durchscheint, sie seien zu Gesprächen zu Loss and Damage, nicht aber den nötigen und verbindlichen Handlungen bereit – es sind Nachrichten, die uns immer wieder darin bestätigen, wie notwendig unser Protest vor Ort und überall ist. Die Aktivist*innen vor Ort lassen sich nicht entmutigen, trotzdem finden immer wieder Einschränkungen ihres Protests statt und gerade denjenigen, die Klima-Ungerechtigkeit am härtesten spüren, fehlt das nötige Mitspracherecht.
     
    Wir bleiben laut! Und – we keep watching you. Auch in der nächsten Woche der Weltklimakonferenz!

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    10 Gedanken zu “#GlobalDayOfAction | COP DAILY – Tag 6

    1. Vielen Dank für euer mutiges Engagement!! Lasst euch nicht unterkriegen, auch wenn das, was ihr vom Klimagipfel mir z.T. die Nackenhaare aufstellt!!!
      Alles Gute & gutes Gelingen trotz aller Widrigkeiten weiterhin, passt gut auf euch auf Ihr seid super!

    2. Weiter so, großartige Arbeit, die Ihr da macht.
      Und unser aller Aktivismus ist auch das einzige Mittel gegen den Frust, der sich sonst ins unermessliche aufbauen würde.
      Das Problem sind die Passivisten!

      Alles Gute, Roland (von der Initiative Klimagerecht Leben)

    3. Ich – 74 Jahre alt, lebenslang in der ökologischen Bewegung, als Heißsporn in der 68iger Generation, nun als Oma noch bei FFF-Demos- bin sehr froh, dass es so engagierte Menschen wie Euch gibt! Lasst Euch nicht einschüchtern, für dumm verkaufen, sagt kritisch und gut informiert Eure Meinung: laut, unüberhörbar, mutig – denn es geht um nichts Geringeres als unsere Erde, unsere Zukunft!
      Menschen aus aller Welt. aus allen Generationen sind an Eurer Seite, wir sind sehr, sehr viele und wir können etwas bewegen, vorwärts bringen!
      “Obwohl Wasser fügsam und weich zu sein scheint, setzt es sich unerbittlich durch…wenn das weiche Wasser in Bewegung ist, besiegt es auch mit der Zeit den harten Stein….(Berthold Brecht)”
      Also bleiben wir in Bewegung!

    4. Mit Naturgesetzen kann man NICHT verhandeln, basta! Warum doch immer versucht wird zum Nachteil des Klimas zu “verhandeln”, ist völlig klar – na, wegen Geld natürlich! Was viele noch nicht verinnerlicht haben, ist, dass ohne intakte Flora und Fauna unsere Lebensgrundlagen, sprich Ernährung, gute Luft, sauberes Wasser und so weiter, nichts, auch kein Geld, Wert hat!

      Diese Ignoranten dort müssten mal richtigen Physik – und Chemie Unterricht bekommen.
      Gruß,
      http://www.marco-longobucco.de

    5. Vielen Dank für Euer Engagement und die Zusammenfassung der COP Tage!

      Lassen wir uns nicht entmutigen und weiter protestieren und laut argumentieren!

    6. Nicht nur russische Oligarchen lobbyieren bei der COP

      Auf der COP27 sind im Grunde alle führenden Energiekonzerne dieser Welt vertreten. Um die Energiebasis kämpfen imperialistische Blöcke.
      Die russische Aggression gegen die Ukraine verurteile ich. Das darf aber nicht dazu führen, die anderen bedeutenden Monopole zu beschönigen und in Kriegsstimmung zu schreiben: “Die hohe Vertretenheit dieser Milliardäre macht es ihnen möglich, weiter Wege zu finden, Profite aus der Klimakrise zu schlagen und Sanktionen zu umgehen.” Schließlich finden die Quatarischen Ölmonopole und US-Energiekonzerne eben in dieser Situation ebenso Wege, um Profite zu erzielen und die deutsche Bundesregierung stellt ihnen die LNG-Terminals bereit.
      Hass auf die Superreichen und was sie im Streben nach Maximalprofit anrichten ist berechtigt, aber nicht diese Kriegsstimmung, die die eigenen Superreichen im Grunde verharmlost. ODER?

    7. Danke für diese täglichen Einblicke in die COP27 und dass Ihr Euch diesem Kampf (und teilweise Krampf) so ausdauernd stellt!
      Natürlich wehren sich die Industrieländer mit Händen und Füßen gegen rechtlich verbindliche Regelungen zu “Loss and Damage”, kämen diese doch in gewissem Sinne einer Bankrott-Erklärung gleich.

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